Pfarrkirche Heilig Geist in Durach

Zur Geschichte der Pfarrei und eine kurze Kirchenführung

Ausgrabungen anlässlich der Altarraumgestaltung im Jahr 1997

Ein kurzer historischer Abriss

1218 Ergebnisse der archäologischen Grabungen bezeugen einen ersten Kirchenbau
1390 Die Kirche in Durach findet ihre erste Erwähnung im „Kempter Kalender“ , in dem Festlichkeiten wie die Kirchenweihe eingetragen sind.
1527 Die Kirche wird vergrößert, indem man die Westwand durchbricht und zwei Seitenaltäre einbaut.
1561 Das Pfarrhaus wird in der noch heute bekannten Weise gebaut.
1569 Der Kirchturm wird aus Nagelfluh und „Bachbollen“ (große Rundsteine), die aus der Durach stammten, errichtet.
1663 Die Duracher werden um eine Glocke, die auch heute noch vorhandene Wetterglocke, reicher.
1664 Da durch den 30 – jährigen Krieg das Pfarrhaus stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, wirdes renoviert.
1748 Die Kirche wird ein weiteres Mal erweitert. Sie erhält – bis auf die bis Sakristei – die heutige Form. Zwei gekaufte Seitenaltäre kommen aus Wildpoldsried.
1754 Im gleichen Zuge wird der Friedhof im Westen erweitert.
1871 Da in der Nacht zum 11. Januar ein großes Stück Putz von der Kirchendecke füllt, wird die Erneuerung der ganzen Decke notwendig.
1875 Das Deckenfresko vom Pfingstwunder „Die Sendung des Heiligen Geistes“ schaffen Pfarrer Gebhart und der Kunstmaler Ludwig Glätzle.
1874 Die Erweiterung des Friedhofs im Süden ergibt eine heftige Diskussion zwischen dem Bürgermeister, der die Vergrößerung nach Süden befürwortet, und dem Pfarrer, der eine Vergrößerung nach Süden und Westen wollte. Es setzte sich der Beschluss des Bürgermeisters durch.
1876 Der Bischof von Augsburg, Pancratius von Dinkel, macht am 3. September auf der Durchreise unerwartet halt.
1879 Durch Einschmelzen alter Glocken entstehen die Hosanna -, eine Heilig – Geist – und die Magnus-Glocke, die am 2. Oktober geweiht werden.
1880 Die Kirche erhält im Rahmen einer Renovierung den heutigen Hochaltar, bei dem die Figuren je nach Festzeit ausgewechselt werden.
1882 Der Kirchturm erhält statt dem bisherigen Satteldach ein 24 m hohes Spitzdach; die urmspitze ziert die 80 cm große Kugel und ein 3 m hohes Kreuz, die vergoldet sind.
1882 Bischof Pancratius von Dinkel besucht abermals Durach, um die renovierte Kirche zu besichtigen.
1883 Der Christophorus, der sich ursprünglich auf der Nordseite des Turmes befand, wird an die Ostseite gemalt.
1890 Die Kirche bekommt eine neue Orgel mit 14 Registern, da die alte Orgel aus der Zeit der Kirchenerweiterung in einem schlechten Zustand ist.
1905 Die Kirche wird zum dritten Mal restauriert und um die vier Evangelisten, die sich um das Pfingstbild gruppieren, erweitert.
1912 Zu Weihnachten wird die Kirche erstmals elektrisch beleuchtet.
1929 Ein Leichenhaus wird gebaut und der Friedhof erweitert. Bei der Einweihung im Jahr 1930 ist auch seine königliche Hoheit Kronprinz Ruprecht von Bayern zugegen.
1937 An der Nordseite wird eine neue Sakristei erbaut. Die alte Sakristei wird später eine Pfarrbücherei.
1939 „Am 31. Januar gegen 4 h wurde die Helmspitze des Kirchturms von einem Flugzeug des hiesigen Flugplatzes angefahren. Das Turmkreuz mit der vergoldeten Kugel wurde seitwärts gedrückt“.So steht es in der Urkunde, die Pfarrer Anton Fischer am 11. Februar verfasste.
1946 Drei neue Glocken werden gegossen. Im 2. Weltkrieg wurden alle Glocken bis auf die Magnus-Glocke abgenommen.
1947 Die Wetterglocke kehrt ohne Beschädigung zurück.
1950 Dekan Fischer gründet einen Pfarrkindergarten in einem Raum des Pfarrhofs.
1954 Beim Kirchweihfest feiert die Pfarrgemeinde das 200 – jährige Bestehen der Kirche in der jetzigen Gestalt. An der Jubiläumsfeier kann Pfarrer Boner Weihbischof Dr. Zimmermann begrüßen.
1957 Die Firma Zellhuber in Altstädten baut eine neue Orgel mit 23 Registern, die am 9. Juni eingeweiht wird.
1962 Unter Pfarrer Hörmann entsteht der Kindergarten St. Theresia, der letztendlich 80 Kinder aufnehmen sollte.
1967 Infolge der Kirchturmrenovierung wird die aus Naturschiefer bestehende Kirchturmspitze durch ein Kupferdach ersetzt.
1978 Nachdem sich das Deckengewölbe um ca. 20 cm gesenkt hatte, wird eine umfassende Renovierung des gesamten Innenraums notwendig.
1981 Pfarrer Hörmann begrüßt Weihbischof Müller beim Besuch der in neuem Glanze erstandenen Pfarrkirche.
1997 Die grundlegende Altarraumgestaltung unter Pfarrer Anton G.Simon deckt interessante archäologische Funde auf, die eine nahezu 800 – jährige Kirchentradition in Durach belegen.
2002 Einweihung des Pfarrheims Heilig Geist nach einer kompletten Renovierung und Umgestaltung des bisherigen Pfarrhofs
2003 Errichtung der Pfarreiengemeinschaft Durach – Weidach – Bodelsberg
2004 Feier des 250 – jährigen Kirchweihjubiläums

Historische Hintergründe auf der Basis archäologischer Ausgrabungen

über die frühe Baugeschichte der Duracher Pfarrkirche Hl. Geist war bislang nur wenig bekannt. Ihr ältester Teil mit dem Chor, dem anschließenden Langhaus und dem mächtigen Turm stellt in seinem Kern einen spätgotischen Bau dar und wurde vermutlich in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erbaut. In den Schriftquellen wird für Durach allerdings bereits seit dem ausgehenden 14. Jahrhundert eine Kirche erwähnt, so dass man von der Existenz eines bislang noch unentdeckt im Boden ruhenden Vorgängerbaus ausgehen musste.

Trotzdem war die Überraschung bei allen Beteiligten groß, als man im September 1997 bei Umbauarbeiten im Chorbereich auf die Grundmauern eines älteren Kirchenbaus stieß. Der Umsicht des Mesners war es dann jedoch zu verdanken, dass die Entdeckung umgehend gemeldet wurde und die notwendigen archäologischen Rettungsmaßnahmen eingeleitet werden konnten. In Absprache mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege führte die Stadtarchäologie Kempten daraufhin eine kleine Ausgrabung und Befunddokumentation durch.

Die ältesten archäologischen Spuren im Bereich der Pfarrkirche reichen bis in das 12. Jahrhundert zurück. Im alten anstehenden Humus, noch unter dem ältesten Kirchenbau gelegen, fanden sich verstreut zahlreiche Scherben einfacher Keramiktöpfe, ein Wetzstein sowie Tierknochen, die aufgrund von Schnitt- und Brandspuren als Speiseabfälle anzusprechen sind. Sie weisen auf eine nahegelegene Siedlung hin, zu der vielleicht auch einige kleine Gruben und der Rest eines Holzpfostens gehört haben könnten, die am Rand der Ausgrabungsfläche in der Nähe des Einganges zur Sakristei beobachtet wurden.

Das wichtigste Ergebnis der Ausgrabungen stellt zweifellos der Nachweis des in seinem Aussehen bislang unbekannten romanischen Vorgängerbaus dar. Nach den freigelegten Befunden müssen wir uns die älteste Duracher Kirche als einen kleinen einschiffigen Bau mit eingezogener Rundapsis vorstellen. Das Langhaus besaß eine Innenbreite von 6,40 m, die Apsis eine Tiefe von 4,30 m. Hingegen kann für die ursprüngliche Gesamtlänge der Kirche mit etwa 18 m nur ein Annäherungswert angegeben werden, da die Ausgrabungen sich auf den östlichen Kirchenbereich beschränkten und der Westabschluss durch jüngere Umbauten ohnehin weitgehend zerstört sein dürfte.

Die gut erhaltenen, bis zu 1,20 m tief reichenden Fundamente bestehen aus mächtigen unbearbeiteten Rollsteinen. Vom ehemals aufgehenden Mauerwerk mit gleichmäßig abgearbeiteter Außen- und Innenseite ließ sich nur im östlichen Apsisbereich noch eine Steinlage nachweisen. Auf eine Ausmalung des Kirchenraumes deutet der Fund eines kleinen Keramikschälchens, in dem sich pulverige Reste einer roten Farbe erhalten haben.

Im rückwärtigen Teil der Apsis stand der vermutlich langrechteckige Altar, von dem sich noch zwei größere Blöcke des Fundamentes nachweisen ließen. Das Altarfundament, wie auch der gesamte südliche Apsisbereich waren im 18. Jahrhundert durch die Einbringung von mindestens sieben Priestergräbern bereits stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Die Datierung der ältesten Duracher Kirche gestaltet sich schwierig, da urkundliche Erwähnungen fehlen und der Grundriss nur eine ungefähre Einordnung erlaubt. Einen ersten Hinweis auf den frühest möglichen Zeitpunkt liefert uns jedoch eine kleine Silbermünze, ein sog. Denaro piccolo Kaiser Friedrich II., die zwischen 1218 und 1250 in Verona geprägt wurde und sich in einer zum ältesten Kirchenestrich gehörenden Auffüllschicht fand. Ein genauerer Zeitansatz innerhalb des 13. Jahrhunderts ist derzeit jedoch noch nicht möglich.

Im Laufe des 15. Jahrhunderts erhielt die Kirche dann einen mit ornamentierten Keramikfliesen belegten Mittelgang, von denen sich noch zahlreiche zerschlagene und stark abgelaufene Fragmente in den jüngeren Schuttschichten fanden. Sie zeigen in leicht erhabenem Relief zwei unterschiedliche Motive: einen Knaben, der ein Wappenschild mit Adler hält sowie einen nach links schreitenden Greifen. Modellgleiche Stücke kennen wir bisher nur aus Kempten, Lenzfried und Sulzberg. Sie belegen das kleinräumige Absatzgebiet einer für den lokalen Markt produzierenden Ziegelei, die vermutlich in Kempten zu lokalisieren ist. Zwischen den Steinen der Randeinfassung des Mittelganges lag schließlich ein abgerissener und dann verloren gegangener Bronzebeschlag, der zum Verschluss eines Buchdeckels aus dem 15. Jahrhundert gehörte.

Wie fast überall im Allgäu, so musste auch in Durach die romanische Kirche einem größeren spätgotischen Neubau weichen. Die alte Kirche wurde hierbei bis auf die Grundmauern abgetragen. Lediglich die nördliche Langhauswand ließ man stehen und bezog sie in den Neubau mit ein. Auch für diese Kirche kennen wir kein genaues Baudatum. Sie stammt vermutlich aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, wie ein heute leider nicht mehr erhaltener Stein aus dem Kirchturm mit der Jahreszahl 1569 nahe legt.

1754 erfolgte die letzte große Umbaumaßnahme. Man riss den Westabschluss der spätgotischen Kirche ab und setzte ein wesentlich breiteres und höheres Langhaus an. Der Innenraum erhielt eine einheitliche barocke Ausgestaltung, deren Grundkonzept bis heute das beeindruckende Erscheinungsbild der Heilig-Geist-Kirche ausmacht. Durch die archäologischen Ausgrabungen von 1997 kann die Gemeinde Durach nun auf eine über 700jährige Kirchentradition zurückblicken.

Kurze Kirchenführung

Wenn man den Innenraum der Duracher Heilig – Geist – Kirche betritt, begegnet uns etwas vom künstlerischen Glanz der Fürstabtei Kempten, der Durach früher angehörte. Kirchenkenner sprechen von einer organischen Entwicklung von der Spätgotik bis zum Neubarock. Seit den archäologischen Ausgrabungen im Herbst 1997, wo Fundamente einer romanischen Vorgängerkirche zum Vorschein kamen, weiß man, dass hier drei große künstlerische Stilepochen in sich vereinigt sind: Romanik, Gotik und Barock.

Das Gesamtbild mit dem Hochaltar, auf dem Gottvater thront, mit den Deckengemälden, den Seitenaltären und Seitenfiguren und den Stukkaturen wird deutlich vom Barock bestimmt. An den Seitenflügeln des Hochaltars sind die Apostelfürsten Petrus und Paulus platziert. Das Deckengemälde zeigt eine imposante Darstellung der Heiligsten Dreifaltigkeit. Beim Eintritt in den Altarraum stehen oben die Wandfiguren der heiligen Theresa von Avila auf der linken und der seligen Crescentia von Kaufbeuren auf der rechten Seite. An deren Stelle deuteten früher zwei Figuren der hl. Afra und der hl. Katharina auf den gotischen Ursprung der Kirche. Während sich die Statue der Katharina erhalten werden konnte, ist der Verbleib der Afra-Statue unbekannt.

Der Taufstein zeigt die Taufe Jesu am Jordan. (siehe Bild) Die beiden vorderen Seitenaltäre sind links der Herz-Jesu-Altar mit einer Statue des hl. Wendelin, rechts der Josefsaltar mit der Figur des heiligen Magnus. Das vordere Kirchenschiff wird überragt von dem Deckengemälde, das die Verkündigung Mariens darstellt. Umrahmt wird dies durch kleine Bildnisse aus dem Leben des jungen Jesus. Hinten rechts die Geburt Christi, vorn rechts die Darstellung Jesu im Tempel, vorn links die Flucht nach Ägypten und hinten links der 12jährige Jesus im Tempel. Am Übergang zum großen Längsschiff grüßen links die Wandfigur des hl. Aloisius und rechts die des hl. Antonius von Padua. Mit dem Bau des hinteren und leicht erhöhten Kirchenschiffs anno 1754 vollzog sich die langsame Umgestaltung zum Barock. Hier stehen auch zwei sehr wertvolle Seitenaltäre mit Gemälden von dem bekannten Franz Josef Hermann, der als Kunstmaler des Fürstabts auch die Kemptener Residenz geschaffen hat.

Links sehen wir den Magnus- Altar mit dem Apostel des Allgäus und einer schönen Pieta, oben die hl. Appolonia. Rechts ist der Schutzengelaltar und oben die Statue der hl. Barbara. Hier begegnen wir der gotischen Schnitzfigur Anna Selbdritt. (siehe rechts) Der hoch oben bei Eintritt ins Vorderschiff prangende Heilige Geist in Gestalt einer Taube verleiht der Heilig – Geist – Kirche einen besonders starken Eindruck, zumal auch hier der qualitativ hochwertige Stuck ins Auge sticht.

Erst 1875 wurde das große Deckengemälde von dem Kunstmaler Ludwig Glätzle aus München geschaffen. Es zeigt in barocker Dramatik das Pfingstwunder der Sendung des Heiligen Geistes. Hier entstand der enge Bezug aller drei großen Deckengemälde, die den ganzen Kirchenraum prägend, vom Wirken der dritten göttlichen Person künden. Umrahmt wird das Pfingstgemälde von Darstellungen der vier Evangelisten: Matthäus, Lukas, Markus und Johannes.

Erwähnenswert ist auch die künstlerisch reich ausgestattete Kanzel, auch sie überthront von der Taube des Heiligen Geistes. Hier sehen wir auch die großen Kirchenlehrer des Alten Testaments.

Relativ neu ist die von Pfarrer Hörmann errichtete Muttergottesgrotte, die umrahmt wird von altehrwürdigen Rosenkranzmedaillons. Diese wurden in früheren Zeiten von Frauen der Gemeinde bei Prozessionen mitgetragen.

Es lohnt sich sicherlich, unsere künstlerisch interessante Heilig-Geist-Kirche auch einmal außerhalb des Gottesdienstes einer eingehenden Betrachtung zu unterziehen.

kurze theologische Deutung des neu gestalteten Altarraums

Im Alten Testament in Exodus 31,1-6 ist die Rede von der Beauftragung von Künstlern und Handwerkern: „Der Herr sprach zu Mose: Siehe, ich habe Bezalel, den Sohn Uris, den Enkel Hurs, vom Stamm Juda, beim Namen gerufen und ihn mit dem Geist Gottes erfüllt, mit Weisheit, mit Verstand und Kenntnis für jegliche Arbeit: Pläne zu entwerfen und sie in Gold, Silber und Kupfer auszuführen und durch Schneiden und Fassen von Steinen und durch Schnitzen von Holz allerlei Werke herzustellen.“ Je mehr ich mich mit der Ausgestaltung des Chorraumes beschäftigte, desto klarer wurde mir, dass es nicht nur darum geht, eine gute formale Lösung zu finden, sondern dass alles mit Inhalt erfüllt wird und eine Einheit zwischen dem Alten und Neuen entsteht. Der neue Bodenbelag mit den beiden Blockstufen (Jura – Marmor) verbindet durch Farbe und Material den Chorraum mit dem Hauptschiff. Die 1. Stufe ist ein Bindeglied zwischen Priester und Volk. Auf ihr stehen der Ambo, der Osterleuchter und das Taufbecken. Auf der 2. Stufe steht der Volksaltar, der dem Messopfer vorbehalten ist.

Osterleuchter

Christus ist auferstanden. Er hat den Tod überwunden, er hat ihn besiegt! Diese Botschaft hat mich dazu gebracht, den Osterleuchter wie eine Siegessäule zu gestalten. Zurückhaltend im Material: Säule aus Jura – Marmor mit eingraviertem Christuszeichen, aufgesetzte Kerzenschale in Messing und Edelstahl poliert, getragen von einem Mittelpfeiler, der sich in 3 dünnere Tragelemente mit Kreuzen verzweigt (Dreieinigkeit).

Die Osterkerze, hier aus dem Jahr 2004, erhebt sich als Hauptschmuckelement, als Symbol des Sieges. Der Osterleuchter steht bewusst in der Nähe des Taufbeckens. Taufe ist die Aufnahme in die Gemeinschaft mit Jesus Christus.

Ambo

Der Ambo ist doppelseitig: Die zum Chor zugewandte Seite für Priester und Lektor, die andere Seite zur Darstellung des Evangeliums an das Volk. Der Ambo wurde bewusst an die Vorderkante der Stufe gesetzt, damit sichtbar wird, daß der Priester das Evangelium zum Volk bringt. Der Ambo steht auf einem Sockel aus Jura – Marmor. Als tragendes Element dienen 4 Säulen, die symbolhaft die 4 Evangelien darstellen. Auf ihnen ruht das Lesepult wie ein kleiner Tempel mit einem Fries aus 12 goldenen Kreuzen. Diese erinnern an die 12 Apostel, die zuerst den christlichen Glauben verkündeten.

Altar

Die Gestaltungsaufgabe war, eine Verbindung zwischen dem freigelegten Altar aus der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts und dem darüber liegenden Volksaltar zu schaffen. Außerdem sollte die Kraft des Heiligen Geistes als Gestaltungselement zum Ausdruck gebracht werden. Der Geist Gottes in Form von Feuer erscheint in Exodus 3,2: „Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme, die aus einem Dornbusch emporschlug. Er schaute hin: Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht.“ Exodus 13,21: „Der Herr zog vor ihnen her, bei Tag in einer Wolkensäule, um ihnen den Weg zu zeigen, bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten. So konnten sie Tag und Nacht unterwegs sein.“ Im Neuen Testament heißt es in der Apostelgeschichte 2,3-4: „Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.“ Als zweites Symbol des Heiligen Geistes begegnen wir der Taube, z.B. bei der Taufe Jesu, nach Matthäus 3,16, Markus 1,10, Lukas 3,22: „Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen.“

Altaraufbau

Der Sockel ist aus Jura Marmor. Die darauf stehenden 4 Säulen, die wiederum die 4 Evangelien versinnbildlichen, tragen die Altarplatte (Jura – Monolit). Querverbindungen und Rahmen halten den Mittelteil. Eine Scheibe aus Holz geschnitzt und vergoldet stellt den Heiligen Geist in Form einer Taube dar, der die Welt umfasst. Die Flügelspitzen umfassen den Reliquienschrein aus Edelstahl und Gold. Am unteren Teil des Schreines ist ein Bergkristall eingearbeitet, der nach unten zum früheren Altar hinweist und die Verbindung zu dem sich dort befindenden großen Bergkristall aufnimmt. Auf ihm und über ihm züngeln goldene Flammen empor, die die Kraft des Heiligen Geistes vermitteln, wie es Lukas (24, 32) in seiner Emmausgeschichte erzählt: „Und sie sagten zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloß?“ Zwei weitere Blockstufen führen zum Hochaltar (um 1880). An diesem befindet sich in der Mensa ein vergoldetes Halbrelief, das den Zug der Israeliten ins gelobte Land darstellt. Exodus 16,4: „Da sprach der Herr zu Mose: Ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen.“ Es wäre eine große Freude, wenn sich mit dem neu gestalteten Altarraum das Wort Exodus 20,24 erfüllen würde: „An jedem Ort, an dem ich meinem Namen ein Gedächtnis stifte, will ich zu dir kommen und dich segnen.“

Günter Doriat

Der Volksaltar, am 1.6.1998 eingeweiht
Ein Blick in die Kirche
Der Hochaltar im Barockstil